Berufsbegleitendes Studium: Alle Infos auf einen Blick

Berufsbegleitendes Studium: Was ist das, für wen eignet es sich, welche Modelle, Voraussetzungen und Abschlüsse gibt es? Alle Infos zum Studium neben dem Beruf.

30. Juli 2026
Junge Frau lernt am Laptop für ihr berufsbegleitendes Studium.

Du willst dich akademisch weiterbilden, ohne deinen Job aufzugeben? Ein berufsbegleitendes Studium macht genau das möglich. Hier erfährst du, was dahintersteckt, welche Modelle es gibt, für wen es sich eignet, welche Voraussetzungen und Abschlüsse dazugehören und wie du Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut bringst.

Was ist ein berufsbegleitendes Studium?

Bei einem berufsbegleitenden Studium absolvierst du dein Studienpensum neben dem Beruf, also in deiner Freizeit. Es ist eine Mischung aus Vorlesungen oder Seminaren und einem großen Anteil Selbststudium von zu Hause. Dein Berufsalltag läuft weitgehend normal weiter. In Deutschland gibt es über 1.700 berufsbegleitende Studienangebote, vor allem in Wirtschaft und Management, Gesundheit und Pflege, Bildung und Soziales sowie Technik. Nicht jedes Fach ist berufsbegleitend studierbar: Medizin, Architektur oder Psychologie mit Ziel Psychotherapie brauchen weiter ein Vollzeitstudium.

Grob unterscheidet man zwei Formen: das Präsenzstudium und das Fernstudium.

Berufsbegleitendes Präsenzstudium

Hier bist du regelmäßig vor Ort an der Hochschule. Der Studienort sollte daher nicht zu weit von Wohn- oder Arbeitsort entfernt sein. Es gibt verschiedene Zeitmodelle:

  • Abendstudium: meist an zwei bis drei Abenden pro Woche, oft plus Samstag.
  • Wochenendstudium: Blockveranstaltungen von Freitag bis Sonntag, häufig einmal im Monat, dadurch auch über größere Entfernungen machbar.
  • Blockstudium: mehrmals pro Semester eine ganze Woche am Stück; hier sind Urlaubstage oder Unterstützung vom Arbeitgeber wichtig.
  • Teilzeitstudium: vor allem an staatlichen Hochschulen; die Studienzeit wird verlängert, du besuchst weniger Vorlesungen.

Fernstudium

Beim Fernstudium lernst du orts- und zeitunabhängig. Es gibt das klassische Fernstudium (Unterlagen per Post), das reine Online-Studium über einen Online-Campus und das Blended Learning als Mischform aus Selbststudium und Präsenzphasen.

Für wen eignet sich ein berufsbegleitendes Studium?

Grundsätzlich für alle, die sich weiterbilden möchten und für die ein klassisches Vollzeitstudium nicht passt. Ein weit verbreiteter Irrtum: Du musst dafür nicht zwingend berufstätig sein. Nur wenige Hochschulen verlangen einen Arbeitgebernachweis, sodass auch Menschen in Elternzeit, Arbeitssuchende oder Umorientierer berufsbegleitend studieren können.

Typische Beweggründe sind:

  • akademische Weiterqualifizierung nach einer Ausbildung,
  • der Wunsch nach beruflicher Veränderung,
  • die Erweiterung des Fachwissens für den nächsten Karriereschritt,
  • oder einfach, „wieder etwas für den Kopf zu tun“.

Und keine Sorge wegen des Alters: Ob mit 30, 40 oder 50, für ein berufsbegleitendes Studium ist es nie zu spät. Wichtig ist vor allem, dass Familie und Arbeitgeber früh eingebunden werden, denn die Doppelbelastung betrifft auch dein Umfeld.

Welche Voraussetzungen brauchst du?

Formale Voraussetzungen, die überall gelten, gibt es kaum. Für einen Bachelor ist meist eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder Fachabitur) nötig, vielerorts ist ein Studium aber auch ohne Abitur möglich, etwa über eine Zugangsprüfung oder eine berufliche Qualifikation wie Meister oder Fachwirt bzw. eine Ausbildung mit Berufserfahrung. Für Master oder MBA brauchst du in der Regel ein Erststudium, teils geht es aber auch ohne. Je nach Studiengang kommen ein Sprachnachweis (TOEFL, IELTS), der GMAT oder ein Aufnahmetest hinzu.

Mindestens genauso wichtig sind die persönlichen Voraussetzungen: Disziplin, Durchhaltevermögen, Eigenmotivation, Zielstrebigkeit sowie gutes Zeitmanagement und Organisationstalent. Ein berufsbegleitendes Studium ist kein Spaziergang, du verzichtest über Jahre auf viel Freizeit.

Welche Abschlüsse sind möglich?

Berufsbegleitend erreichst du dieselben akademischen Abschlüsse wie im Vollzeitstudium: Bachelor, Master, MBA oder Diplom. Daneben gibt es nicht-akademische Fernlehrgänge, die mit einem Zertifikat (zum Beispiel IHK oder institutseigen) abschließen. Diese sind einem akademischen Grad nicht gleichgestellt, achte bei der Suche also genau auf den Abschluss.

Wie anerkannt ist ein berufsbegleitendes Studium?

Um die Anerkennung musst du dir keine Sorgen machen, wenn du auf zwei Dinge achtest: Die Hochschule ist staatlich anerkannt und der Studiengang ist akkreditiert. Dann ist dein Abschluss voll gleichwertig mit einem Vollzeitstudium. Ein Bachelor of Arts bleibt ein Bachelor of Arts, unabhängig davon, ob er berufsbegleitend oder in Vollzeit erworben wurde. Die Akkreditierungsagenturen (etwa FIBAA oder ZEvA) unterscheiden nicht nach Studienart.

Ein zusätzliches Qualitätsmerkmal ist die Zulassung durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU), die vor allem bei Fernstudiengängen und Fernlehrgängen relevant ist. Auch bei Personalverantwortlichen ist ein berufsbegleitender Abschluss angesehen: Er belegt Flexibilität, Belastbarkeit und Selbstorganisation, oft wird er sogar positiver bewertet als ein reines Vollzeitstudium.

Studienorganisation

Ist die Studienwahl getroffen, heißt es dranbleiben. Diese Punkte helfen dir dabei:

  • Umfeld einbeziehen: Sprich früh mit Partner*in, Familie und Arbeitgeber, damit alle Verständnis haben und mitziehen.
  • Feste Lernzeiten einrichten und Prioritäten setzen, statt dich vom Alltag treiben zu lassen.
  • Realistisch planen und Erfolge sichtbar machen, das hält die Motivation oben.

Zeitmanagement

Ein Studium neben dem Beruf frisst Zeit, die du dir bewusst schaffen musst. Ein paar bewährte Ansätze:

  • Zeitausgleich schaffen: Schau, wo du im Alltag reduzieren kannst (Arbeitszeit, Fernsehen, Hobbys), um Lernzeit zu gewinnen.
  • ABCD-Methode: Ordne Aufgaben nach Priorität, A (dringend, zum Beispiel Prüfungsvorbereitung) bis D (verzichtbar).
  • Multitasking vermeiden: Konzentriere dich auf eine Sache, das spart am Ende Zeit und Fehler.
  • Pausen und Auszeiten einplanen: Sie liefern die Energie fürs Durchhalten, und der Perfektionismus darf auch mal bei 80 Prozent enden.

Vorteile und Nachteile

Ein berufsbegleitendes Studium bringt klare Vorteile: Du verdienst weiter dein Gehalt, sammelst parallel Berufserfahrung und verbesserst deine Karrierechancen. Die Kombination aus Theorie und Praxis kommt bei Arbeitgebern gut an und belegt deine Belastbarkeit. Je nach Modell, vor allem im Fernstudium, bleibst du zeitlich und örtlich flexibel.

Dem stehen Nachteile gegenüber: Die Doppelbelastung ist hoch, du verzichtest über Jahre auf viel Freizeit, und ein Studium kostet Geld. Außerdem brauchst du viel Selbstdisziplin. Die meisten berufsbegleitenden Studiengänge dauern je nach Abschluss und Modell drei bis sechs Jahre.

Wie erkennst du ein seriöses Angebot?

Weil „Fernstudium“ und „berufsbegleitendes Studium“ keine geschützten Begriffe sind, lohnt sich ein prüfender Blick. Achte auf:

  • Staatliche Anerkennung der Hochschule und Akkreditierung des Studiengangs (erkennbar an den Siegeln der Agenturen).
  • Bei Fernlehrgängen zusätzlich die ZFU-Zulassung.
  • Erfahrungen googeln: Häufen sich negative Berichte, schau dich besser weiter um.
  • Eigene Prioritätenliste anlegen (Kosten, Präsenz ja/nein, Inhalte, Betreuung) und Anbieter im kostenlosen Schnupperstudium testen.

Kosten, Finanzierung und Unterstützung vom Arbeitgeber

Die Kosten hängen stark vom Anbieter ab: Staatliche Hochschulen sind meist deutlich günstiger als private. Was ein berufsbegleitendes Studium konkret kostet und wie du es finanzierst, liest du auf unseren Spezialseiten. Oft lohnt es sich außerdem, den Arbeitgeber ins Boot zu holen, sei es durch finanzielle Unterstützung. Wie du deinen Arbeitgeber überzeugst und was es mit Bildungsurlaub auf sich hat, erfährst du ebenfalls bei uns.

Welche berufsbegleitenden Studiengänge es gibt, findest du in unserer Datenbank.


Häufige Fragen zum berufsbegleitenden Studium

Ja, das ist an vielen Hochschulen möglich, etwa über eine Zugangsprüfung oder eine berufliche Qualifikation wie Meister oder Fachwirt.

Meist nicht. Nur wenige Hochschulen verlangen einen Arbeitgebernachweis. Auch in Elternzeit, arbeitssuchend oder bei einer Umorientierung kannst du berufsbegleitend studieren.

Nein. Für ein berufsbegleitendes Studium ist man nie zu alt. Entscheidend ist, was du damit erreichen möchtest, beruflich oder persönlich.

Ja, sofern die Hochschule staatlich anerkannt und der Studiengang akkreditiert ist. Der akademische Grad ist identisch mit dem eines Vollzeitstudiums.

Je nach Abschluss und Modell meist drei bis sechs Jahre. Viele Hochschulen bieten flexible Zeitmodelle an.

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